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  • Research Snapshot (10/2011)


    Jenseits der Euro-Schuldenkrise

    (Düsseldorf, Oktober 2011) Ganz offensichtlich ruht der Fokus der Marktwahrnehmung derzeit auf der Krise in Europa. Tag für Tag wird die Zinsentwicklung von Staatsanleihen, insbesondere derer aus Italien, Spanien, Irland oder Portugal, genauestens beobachtet. 90% der Aufmerksamtkeit der Investoren scheint der Frage gewidmet, wie ECB, IMF oder die Europäische Währungsunion (EMU) das Problem lösen können. Selbstverständlich ist es wichtig, diesbezüglich immer bestens informiert zu sein. Doch wirklich clevere Investoren müssen auch in alle anderen Richtungen sehen - und denken - können. Die Quelle der hier abgebildeten Daten ist die Partnerseite PEBALLresearch.de

    Bank Stress Gauge


    Den Zustand der Banken zu analysieren ist in Zeiten der Finanzkrise beinahe unverzichtbar. Es besteht eine gute Chance, daß der Finanzsektor, speziell die Bankaktien, weiterhin als exzellenter Frühindikator für den breiten Markt fungieren kann. Der oben gezeigte Indikator sollte in der Lage sein, das Stressniveau im Bankenbereich abzuschätzen, vielleicht sogar besser als es LIBOR-OIS oder der TED-Spread vermögen. Das aktuell sehr hohe Stress-Niveau impliziert ein sehr hohes Potenzial für positve Überraschungen.

    Ökonomie in Zeiten des Deleveraging


    Deleveraging ist womöglich eine der größten Bedrohungen für Wirtschaft und Märkte in USA, Europa und vielleicht sogar China. Seit ein paar Jahren sind Europa und die USA mit einem massiven Rückgang der Wachstumsraten von Krediten, wie z.B. Hypothekendarlehen, Unternehmens- und Verbraucherkrediten, etc., konfrontiert. Bei Fortsetzung dieser Entwicklung sollte auch weiterhin mit niedrigen BIP-Wachstumsraten in den entwickelten Staaten zu rechnen sein.

    Getrieben von der Erwartung


    Es ist kein Geheimnis: Aktienkurse werden stark von Erwartungen bestimmt. Als im Sommer 2011 Rezessionsängste ein plötzliches Comeback erlebten, konnten Analysten hierauf nur reagieren: In den folgenden Monaten überwog die Anzahl der Gewinnerwartungs-Revisionen nach unten die Zahl der Revisionen nach oben immer stärker. Trotz der deutlich gestiegenen Anzahl an negativen Revisionen verringerte sich der durchschnittlich erwartete Gewinn pro Aktie nur wenig. Diese divergente Entwicklung impliziert ein gewisses Potenzial für negative Überraschungen.

    Asset Allokation


    Selbst in Zeiten tief pessimistischer Wahrnehmung des Risikos bei Staatsanleihen sieht es so aus, als könne sich der Anleihe-Anteil im Portefeuille eines durchschnittlichen Investors auf relativ hohem Niveau halten. Natürlich ist ein Grund hierfür auch im rapiden Marktwertverlust der Aktien seit Sommer 2011 zu sehen.

    Fazit

    Die Mehrheit der Analysten und Investoren konzentriert ihre Analyse auf die sogenannte Euro-Krise und dürfte folglich daraus die falschen Schlüsse für die weitere Entwicklung am Aktienmarkt ziehen bzw. mit einer Fortsetzung des Aktiencrash vom Sommer rechnen. Doch wenn wir unsere Analyse auf andere Themenfelder ausweiten, sollte erkennbar werden, dass dieser Sommercrash nur eine Unterbrechung des allgemein noch immer gültigen primären Aufwärtstrends sein sollte, dafür sprechen wenigstens die relativ(!) niedrige Aktienquote der meisten Investoren, der relativ hohe Stress im Banksystem - der hier als einer der wenigen funktionierenden Kontraindikatoren fungiert - und auch der Verlauf der Volatilität bei den Aktienkursen, der in dieser Analyse nicht thematisiert wurde. Gefahr, sprich: weiterhin fallende Kurse, droht meines Erachtens wirklich nur dann, wenn die Gewinnerwartungen der Unternehmen noch sehr viel deutlicher fallen sollten. Die Wahrschinichkeit für von nun an wieder steigende Aktienkurse ist sehr hoch. Konjunkturell sieht das Bild nicht so erfreulich aus. Die Realwirtschaft der ganzen Welt, inklusive China, sollte sich auf mehrere Jahre niedrigeren Wachstums einstellen, wie oben schon beschrieben - Stichwort: Deleveraging.