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  • Der Crashmechanismus

    (Düsseldorf, 27.10.2008) Die Talfahrt an der Börse scheint kein Ende zu finden. Seit September hat sich das Tempo der Kursverluste dramatisch erhöht, nun legen selbst die Rohstoffpreise den Rückwärtsgang ein. Offenbar stellt sich die Börse auf eine schwerwiegende globale Rezession ein. Dies bedeutet: Weniger Nachfrage nach Rohstoffen, also niedrigere Rohstoffpreise, und sinkende Unternehmensgewinne, also sinkende Aktienkurse. Klingt plausibel, vernünftig, logisch. Die Medien malen indes ein etwas anderes Bild: Hier ist von Panik die Rede. Schlagzeilen wie "Blutbad an der Börse!" oder "Kursgemetzel an der Wall Street" suggerieren, daß eine wildgewordene Horde von irrationalen Börsianern aus Angst und von Panik getrieben alles verkauft und so den Crash verursacht. Glaubt man all den Sentimentanalysen der letzten Wochen, kommt man jedoch zum Schluß, daß von Panik keine Rede sein kann. Schlimmstenfalls kann von leichtem Pessimismus und einer passiven, zögernden Haltung der meisten Marktakteuere gesprochen werden. Doch wie lassen sich die herben Kursverluste seit September sonst erklären?

    Wie es scheint, steckt ein einfacher, aber in seiner Wirkung verheerender Mechanismus hinter dem Crash: Wie wir alle wissen, brauchen Banken derzeit nichts dringender als Liquidität. Normalerweise bekommen sie diese von anderen Banken geliehen. Da sich die Banken gegenseitig nicht mehr trauen, und dieses Mißtrauen wurde durch die Lehman-Pleite leider wesentlich verstärkt, sehen sich viele Banken gezwungen, Geld aus anderen Quellen zu beziehen. Fast alle großen Banken vergaben in der Vergangenheit hohe Kredite an Hedge-Fonds. Diese kauften für das Geld alles, was Gewinn versprach, natürlich auch Aktien und Rohstoffe. Wie gesagt, brauchen die Banken Geld, und bestehen daher auf teilweise Rückzahlung der Kredite, was wiederum die Hedge-Fonds-Manager dazu zwingt, ihre Anlagen zu verkaufen. Und diese Zwangsverkäfe oder Exekutionen drücken gewaltig auf die ohnehin schon belasteten Kurse. Somit erklärt sich auch, warum das als sicherer Anlagehafen gepriesene Edelmetall Gold an Wert verliert, obwohl die Nachfrage seitens der Privaten so hoch ist, wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Bei Zwangsverkäfen wird ganz einfach alles verkauft, was sich zu Geld machen läßt! Das schöne daran ist aber: Danach steigen die Kurse wieder, mit ein bisschen Glück sogar sehr sehr stark.