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  • Verdopplung der Geldmenge = Deflation!

    (Düsseldorf, 19.03.2009) Dieser Artikel wurde nachträglich editiert, genauer gesagt wurden einige Passagen gestrichen. Nochmal zum Verständnis: Inflation bedeutet nichts anderes als das Aufblähen der Geldmenge. Das neu geschaffene Geld fließt normalerweise zunächst in den Finanzmarkt, was hier zu steigenden (Aktien-)Kursen, und erst später in die Realwirtschaft, was dort zu steigenden Rohstoff-, Erzeuger- und letztlich Verbraucher-Preisen führt. Stagniert hingegen die Geldmenge, kommt es erst zu sinkenden (Aktien-)Kursen und etwas später zu sinkenden (Verbraucher-)Preisen.

    Wie bereits gesagt, ist derzeit von der Verdopplung "der Geldmenge" in nur vier Monaten die Rede, und zwar auch in den renommiertesten Fachzeitschriften. Normalerweise dauert es rund ein Jahrzehnt, bis sich die Geldmenge verdoppelt. Wenn die eben angeführte These vom Zusammenhang zwischen Geldmenge und (Preis-)Inflation also stimmt, wäre die Folge der extremsten Geldmengenausweitung seit bestehen der US-Notenbank also eine extreme Inflation. Trotzdem sehe ich in diesem Jahr nicht Inflation sondern Deflation als Hauptgefahr für uns Aktionäre. Wie das? Ganz einfach: Die Geldmenge hat sich eben nicht verdoppelt, weder in den USA noch in Europa noch in Japan. Das was uns als Verdopplung der Geldmenge verkauft wird, ist in Wirklichkeit die Verdopplung der sogenannten Geldbasis (Monetary Base) in den USA, welche auch als Zentralbankgeldmenge bekannt ist. Die Monetary Base ist allgemein die Summe aus Bargeldumlauf plus Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank; also Geld, das von der Zentralbank geschaffen wurde. Diese Monetary Base stellt mit 1,6 Billionen Dollar nur einen sehr kleinen Teil der Geldmenge M2 dar, welche momentan etwa 8 Billionen Dollar schwer ist. M3 ist logischerweise nochmals wesentlich größer als M2. Sowohl M2 als auch M3 - also die großen Geldmengen - haben sich natürlich nicht verdoppelt. Im Gegenteil: Beide wachsen relativ stetig, M3 entwickelte sich zeitweise gar rückläufig. Einzig die Monetary Base hat sich nach dem 15. September 2008 (Lehman-Pleite) von 0,8 Billionen auf über 1,6 Billionen Dollar mehr als verdoppelt, was sich auch rasch begründen läßt: Nach der Lehman-Pleite erhöhten die privaten Geschäftsbanken ihre Geldreserven weit über die geforderte Mindestreserve hinaus, wodurch Überschußreserven in bis dato nie gekanntem Ausmaß enstanden - 12mal so hoch wie nach dem 11. September 2001, Tendenz steigend. Resultat: Die Monetary Base verdoppelte sich. Zu einer Inflation wird es meiner Meinung nach erst kommen, wenn erstens nicht nur die Monetary Base sondern vor allem die Geldmengen M2 und M3 wieder stark und schnell zu wachsen beginnen und zweitens der Geldmarkt wieder auftaut. Das Auftauen des Geldmarktes bedeutet das Ende der aktuellen Finanzmarktkrise (aber nicht automatisch der weltweiten Rezession, welche ja in der Presse ebenfalls unter dem Namen "Finanzkrise" firmiert). Daher vermute ich stark, daß wir erst nach Beendung der Finanzmarktkrise mit einer starken Inflation zu tun haben werden. Diese könnte dann aber in der Tat dramatisch werden, vor allem weil zu befürchten ist, daß zur Bekämpfung der Finanzkrise sowohl die Staatsverschuldungen als auch die Geldmenge weltweit noch sehr viel stärker aufgebläht wird, als dies bislang der Fall ist.

    Aber woher kommt denn nun die aktuelle Deflation? Die großen Geldmengen M2 und M3 haben sich zwar nicht verdoppelt, wachsen aber immerhin dennoch weiter (M3 war ja nur ganz kurze Zeit rückläufig!). Das Problem mit der Geldmenge ist folgendes: Sie ist eine statische Größe. Geld hat aber keinen statischen, sondern einen dynamischen Charakter. Geld muß bewegt werden um effizient zu wirken. Über Wohl und Wehe von Inflation oder Deflation entscheidet nicht die Menge des Geldes allein, sondern vielmehr auch die Geschwindigkeit, mit welcher es bewegt wird. Der Ort an dem das Geld hauptsächlich bewegt wird, ist der Geldmarkt. Und da dieser so gut wie eingefroren ist, kann man sagen: Die aktuelle Geldumlaufgeschwindigkeit ist extrem niedrig! Ein kleiner Geldumlauf, also eine niedrige Geldumlaufgeschwindigkeit befördert Deflation, eine hohe Geldumlaufgeschwindigkeit spricht für Inflation.

    Ein stark vereinfachtes Beispiel: Eine Bank, nennen wir sie spaßeshalber Pfandbriefbank, finanziert ein Staatsprojekt, z.B. ein neues Wolkenkratzerviertel in Dubai. Dieses soll das modernste der Welt werden, ist also dementsprechend teuer. Etwa alle sechs Monate bekommt Dubai 10 Milliarden Dollar von der Pfandbriefbank, zu vier Prozent Zinsen. Die Pfandbriefbank kann sich selbst natürlich keine 10 Milliarden aus den Rippen schneiden. Sie leiht sich das Geld von anderen Banken am Geldmarkt. Von einer amerikanischen Großbank erhält sie 10 Milliarden für lediglich drei Monate zu zwei Prozent p.a. Also muß die Pfandbriefbank nach drei Monaten die 10 Milliarden an die amerikanische Bank zurückzahlen und sich bei einer anderen Bank refinanzieren. Und Dubai ist nicht der einzige Ort an dem es Projekte zu finanzieren gibt. Überall auf der Welt erwarten Häuslebauer, Unternehmer und ganze Staaten Geld. Dies erhalten sie sofort, aber die Rückzahlung kann schon mal mehrere Jahrzehnte dauern. Und in diesen Jahrzehnten müssen sich Banken wie die Pfandbriefbank im Beispiel am Geldmarkt refinanzieren. In unserer Finanzkrise klappt das nicht mehr reibungslos. So leidet z.B. die Hypo Real Estate Tochter Depfa an diesem Problem, was zur Beinahe-Pleite des ehemaligen DAX30-Konzerns geführt hatte. Obwohl also die Monetary Base, sprich: die Zentralbankgeldmenge, um mehr als 100 Prozent gestiegen ist, haben Banken Probleme, sich zu refinanzieren, also an Geld zu kommen. Dies ist weniger ein Problem der absoluten Menge des Geldes, als vielmehr ein Problem der zu langsamen Geschwindigkeit, mit welcher es bewegt wird!

    Wann immer Banken Schwierigkeiten haben, am Geldmarkt an Geld zu kommen, besorgen sie es sich woanders: Sie streichen die Kreditlinien ihrer Hedgefonds und zwingen diese, alles zu verkaufen was sie gerade haben. Somit erklärt sich der Crash, also die Deflation, am Aktienmarkt und an den Rohstoffbörsen (siehe Artikel "Der Crashmechanismus" vom 27.10.2008). Und da eine Deflation der Rohstoffpreise zu sinkenden Erzeugerpreisen führt, braucht es nicht viel um mitten in einer herben Rezession sinkende Verbraucherpreise (Deflation) auszulösen. Und wir stecken mitten drin...