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  • Ende der Hausse des globalen Aktienmarktes?

    Die Abonnenten des Boersenreflex.de-Aktienbriefes wissen es längst: Seit letztem Jahr (2014) wurde die Aktieninvestitionsquote im Musterdepot des Aktienbriefes schrittweise abgebaut. Hierbei handelte es sich um mittel- bis langfristig antizyklisch motivierte Aktienverkäufe. Möglicherweise geschah dies zu früh, doch nach über sieben erfolgreichen Jahren - mit einer Rendite vor Steuern und Transaktionskosten i.H.v. 17,5 Prozent per annum - schien die Zeit reif, die Gewinne zu realisieren.

    (Düsseldorf, 05.10.2015) Nein, ich übe mich nicht als "Crashprohet". Einen Crash des globalen Aktienmarktes zeitlich genau vorherzusagen ist unmöglich. Selbst den Beginn einer mittel- bis langfristigen Baisse zu prognostizieren ist kaum zu schaffen. Allerdings kann man feststellen, dass zumindest das Risiko eines Crash oder einer Baisse des weltweiten Aktienmarktes inzwischen als überdurchschnittlich hoch einzuschätzen ist.

    Aktuelle Kursentwicklung

    Definiert man einen Aktiencrash als einen Kursverlust von mehr als 20 Prozent innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes, so crashen bereits einige Aktienmärkte, nämlich China und Europa, natürlich auch der deutsche Aktienmarkt. Europäische und deutsche Aktienindizes wie z.B. EUROSTOXX oder DAX verloren in den vergangenen Monaten gut 20 Prozent an Wert. In den USA sieht das noch ganz anders aus, hier (z.B. S&P 500 oder Dow Jones IA) sprechen wir von einem Minus von lediglich gut 10 Prozent, also von einer ganz normalen Korrektur der Kurse. Weltweit gesehen legen die Indizes von MSCI oder der Global Dow (GDOW) nahe, dass der globale Aktienmarkt im Bereich Large- und Mid-Caps bislang rund 15 Prozent an Wert verloren hat.

    Nach 6 oder 4 Jahren Hausse

    Blicken wir zurück auf den März 2009: Damals lagen die Aktienkurse weltweit am Boden und wir Antizykliker wagten erste "mutige" Aktienkäufe in der allgemein vorherrschenden Panik. Seit diesem Zeitpunkt erlebten wir eine beinahe ununterbrochene Hausse bis zur Jahresmitte 2015. Das sind gut sechs Jahre steigender Aktienkurse, eine beachtliche Hausse! Jedoch unterbrach im Jahr 2011 ein "kleiner Crash" diesen 6jährigen Bullenmarkt, weshalb manche lediglich von einer 4jährigen Hausse (also von 2011 bis 2015) sprechen. Egal ob vier oder sechs Jahre, eines ist klar: Die Börse ist noch immer keine Einbahnstraße und kein Bullenmarkt währt ewig. Irgendwann wird auch diese Hausse - sei sie nun sechs oder vier Jahre alt - enden und von einer Baisse abgelöst werden. Die entscheidende Frage lautet also: Ist das jetzt bereits der Fall? Oder wird sich der aktuelle Kursrückgang am globalen Aktienmarkt im Nachhinein als lediglich bereinigende und somit gesunde Korrektur heraustellen, nach welcher sich die Hausse munter fortsetzt?

    Argumente für eine Fortsetzung der globalen Hausse

    Es gibt sehr starke Argumente für eine Fortsetzung der Hausse. Am stärksten wiegen wohl die geldpolitischen Maßnahmen einiger Notenbanken, welche die Finanzmärkte mit dem sprichwörtlichen billigen Geld versorgen, was bei den Finanzinstituten zu Zwangsaktienkäufen führen kann. Das zweite starke Argument ist in der noch immer positiven Gewinnentwicklung der großen Aktienunternehmen zu sehen. Auch die erwarteten künftigen Gewinne steigen weiter an. So ergibt sich z.B. für die im S&P 500 gelisteten Unternehmen ein KGV von momentan knapp 15 bezogen auf die erwarteten Gewinne. Und das alles trotz bereits seit mehreren Jahren extrem schwacher Weltkonjunktur - so wuchs in den vergangenen Jahren das BIP der Welt nicht mehr wie sonst ülich um ca. 4 Prozent p.a., sondern nur noch um ca. 1,5 Prozent p.a. Nein, fundamental spricht momentan vieles gegen deutlich weiter sinkende Aktienkurse, vor allem da die Aktie als Anlageform als alternativlos gilt, insbesodnere angesichts der niedrigen Zinsen auf Rentenpapiere. Auch erlebten wir - mit Ausnahme von China - keine übertrieben euphorische Stimmung der Marktteilnehmer und keine wirkliche Überflutung der Märkte mit jungen Aktien einer Vielzahl "minderwertiger" Unternehmen, wie dies so oft am Ende großer Haussen der Fall ist. Jedoch gibt es auch Argumente für ein Ende der Hausse.

    Charttechnische Argumente gegen eine Fortsetzung der globalen Hausse

    Das wichtigste Argument wurde bereits genannt: keine Hausse dauert ewig. Charttechniker sprechen wohl eher vom primären Aufwärtstrend, als von Hausse. Dabei wissen sie eines ganz genau: Die Börsenkurse werden sich immer zyklisch in Trends bewegen, Auf- und Abwärtstrends werden sich folglich immer abwechseln. Einer der mit Abstand (meine Meinung) prognosesichersten charttechnischen Indikatoren ist der New-Highs-New-Lows-Indikator, der für die New Yorker Aktienbörse publiziert wird, und dieser Indikator zeigt seit August 2015 einen markanten Strukturbruch, wie er es immer tut, wenn ein Crash oder eine Baisse oder eine sehr starke Korrektur einsetzt. Wie bereits erwähnt, sind die New Yorker Aktienkurse dabei gerade erst um gut zehn Prozent gefallen.

    Investitionsquoten deuten auf baldiges Ende der globalen Hausse hin

    Auch die Analyse der Investitionsquoten des globalen Anlagekapitals deutet auf ein Ende der globalen Aktienhausse hin. So erreichte im Jahr 2015 die von mir berechnete anzunehmende Aktieninvestitionsquote des weltweiten Anagekapitals knapp 60 Prozent, während die Investitionsquote in liquide Mittel (Cashquote) auf ein Rekordtief von knapp 17 Prozent gefallen war. Im trotz all des blligen Geldes aktuell deflationären Finanzmarktumfeld bedeuten beide Werte natürlich ein deutlich erhöhtes Aktienkursverlustrisiko. Insbesondere der Wert von knapp 60 Prozent bei der Aktieninvestitionsquote ist eine unmißverständliche Warnung vor einem baldigen Ende der globalen Hausse, da nach meiner Einschätzung die 60-Prozent-Marke die Sättigungsschwelle markiert, ab welcher die globalen Finanzmarktakteure kaum noch fähig sind, noch mehr ihres Anlagekapitals in Aktien zu investieren. Bislang wurde die 60-Prozent-Marke der von mir geschätzten globalen Aktieninvestitionsquote nur zwei mal überschritten, nämlich in den Jahren 1999/2000 und in den Jahren 2006/2007. Bekanntlich folgten sowohl auf 1999/2000 als auch auf 2006/2007 extrem starke Kursrückgänge in Gestalt von Baissen, welche zu weltweiten Aktienkursverlusten von mehr als 50 Prozent führten. Einen derart schweren Kursrückgang erwarte ich für die kommende Baisse - so sie denn eintritt - nicht, vor allem aufgrund der eben skizzierten positiven fundamentalen Argumente.

    Fazit

    Trotz fundamental guter Aussichten kann das Risiko für ein Ende der langjährigen globalen Hausse bzw. eine mögliche Trendwende zur Baisse nicht außer Acht gelassen werden. Die Charttechnik zeigt klare Warnhinweise, ebenso die Analyse der Investitionsquoten des Anlagekapitals. Allerdings rechne ich nicht mit einer derart schweren Baisse, wie wir sie 2000-2003 oder 2008-2009 erlebten.