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  • Quantitative Analyse der weltweit 6000 größten Aktien - Ergebnisse aus dem Bereich Länderbewertung

    Im Januar 2011 untersuchte Boersenreflex.de alle Aktien mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde US-Dollar (ca. 750 Millionen Euro) der Erde hinsichtlich ihres fundamentalen Bewertungsniveaus. Im folgenden Text können nur wenige Teilergebnisse skizziert werden. Sollten Sie Interesse an der kompletten Analyse haben, schreiben Sie bitte eine E-Mail an die unter "Kontakt" oder "Impressum" genannte E-Mail-Adresse.

    Kaum ein Börsenmythos hält sich so hartnäckig wie der, daß man am durchschnittlichen KGV oder auch KUV eines einzelnen Landes ganz leicht ablesen kann, ob man dort investiert oder besser nicht investiert sein sollte. Gerade zu Beginn eines neuen Jahres merken wir dies besonders, wenn diverse Experten ihre Jahreskursprognosen eben so begründen: "Deutsche Aktien haben haben zur Zeit ein durchschnittliches KBV von X, KUV von Y, das liegt jeweils 25% unter dem historischen Durchschnitt und 35% unter Weltduchschnitt, also werden die deutschen Aktien in diesem Jahr steigen. Der DAX hat ein KGV von Z, das liegt soundsoviel unter dem historischen Durchschnitt von 16, also wird er in diesem Jahr steigen." Jetzt verrate ich Ihnen mal etwas: Das KUV des DAX oder gar aller deutschen Aktien lag in den vergangenen fünfzehn Jahren fast immer 30 bis 40 Prozent unter dem Weltdurchschnitt. Trotzdem gab es gerade auch in Deutschland zwei extreme Baissen. Und was das KGV angeht: Erinnern Sie sich an die Zeit kurz vor oder zu Beginn der Finanzkrise? Da sagten auch alle, daß der DAX steigen müsse, weil er ja ein KGV von ledglich 13 habe. Wenige Monate später erlebte der DAX den zweiten Rekordbärenmarkt innerhalb eines Jahrzehntes.

    Nein, man muß kein Michael Keppler (New Yorker Ländergewichtungsexperte mit bayerischen Wurzeln) sein, um diesen Mythos als das zu entlarven, was er ist: halbwahr. Natürlich macht es Sinn, durchschnittliche Bewertungskennziffern wie z.B. die Multiples KUV und KBV einzelner Länder oder Regionen miteinander zu vergleichen. Natürlich sollten Value-Investoren überwiegend in Ländern mit niedrigen Multiples investiert sein. Doch man kann nicht einfach von niedrigen Kennzahlen auf ein Aufholpotenzial schließen. Manchmal dauert es Jahre, bis eine derartige Unterbewertung gegenüber der historisch üblichen Abweichung abgebaut ist. Eine solche historisch übliche Abweichung scheint bei Deutschland, wie eben angesprochen, vorzuliegen. Doch auch übliche Abweichungen sind nicht in Stein gemeisselt: Japans durchschnittliche KUV oder KBV-Werte lagen viele Jahre lang extrem deutlich über Weltdurchschnitt. Bis zum Jahr 1990. Seitdem liegen beide Kennzahlen Jahr für Jahr deutlich unter Weltdurchschnittsniveau, meist mehr als 50 Prozent darunter!

    Wie sie sehen, ist es eben nicht leicht, vom mittleren fundamentalen Bewertungsniveau eines Landes auf die kommende Kursentwicklung seiner Aktien zu schließen. Aber es ist nicht unmöglich: Länder, deren Aktien in der Vergangenheit beispielsweise zum Weltdurchschnittsniveau bewertet wurden, nun aber deutlich darunter liegen, sind dann eine gute Wahl, wenn sich die künftige ökonomische Lage nicht wesentlich zum schlechteren ändert, insbesondere was die Unternehmensgewinne angeht, was in Japan nach 1990 nicht galt und neben dem Vorliegen einer extremen Überbewertung Ende der 1980er Jahre das Verweilen der japanischen Aktien unter Weltdurchschnitt erklären sollte. So sind seit 1990 die japanischen KUV- und KBV-Werte extrem niedrig, nicht aber die KGV-Kennzahlen.

    Zum Hier und Jetzt: Noch Ende 2009 wurden alle portugiesischen und spanischen Aktien hinsichtlich KUV und KBV etwa fünf Prozent über Weltdurchschnitt bewertet. Angesichts der PIGS-Problematik sollte es kaum überraschen, daß beide nun deutlich unter Weltniveau rangieren. Aktien über der Eine-Milliarde-Dollar-Marke aus Portugal und Spanien weisen eine Unterbewertung i.H.v. 45 Prozent zum Weltniveau auf. Griechenland und Italien, um die PIGS mit einem "I" zu komplettieren, liegen gar 60 Prozent niedriger. Generell finden sich unter Weltdurchschnittsbewertung vor allem die Staaten des alten Europa. Hier scheinen sich vor allem Deutschland, Frankreich oder die Niederlande seit einigen Jahren um ein Bleiberecht zu bemühen.

    Wesentlich inhomogener als die Gruppe der PIGS-Staaten sind die BRIC-Staaten, die eigentlich nur eine Gemeinsamkeit haben: ein enorm hohes BIP-Wachstum. Wachstum hat normlerweise seinen Preis, nämlich ein höheres Bewertungsniveau. China und Indien sind verglichen mit Weltniveau immer noch sehr hoch bewertet, mehr als 50 Prozent beträgt dort der Aufschlag. Der Abstand zum Weltniveau war aber vor nicht allzu langer Zeit schon doppelt so groß. Ähnliches gilt für Brasilien, denn auch hier ging der Bewertungsaufschlag in den vergangenen Monaten sehr deutlich zurück, im Falle der brasilianischen Aktien mit einer jeweiligen Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar sogar knapp unter Weltniveau. Das Bewertungsniveau russischer Aktien hingegen ging in den letzten 12 Monaten in die andere Richtung, verbleibt aber unter dem der gesamten Welt. Der absurd hohe Crash des russischen Aktienmarktes im Herbst 2008 sowie seit Jahren vorherrschende starke Bedenken internationaler Investoren hinsichtlich der Respektierung von Eigentumsrechten sollten diese Ausnahmesituation ausreichend erklären.

    Anfang Januar weisen die 6000 nach Marktkapitalisierung größten Aktien der Welt ein mittleres KBV i.H.v. 2,42 und ein mittleres KUV i.H.v. 2,12 auf, wobei die aktuellsten Bilanzen die Datengrundlage bilden. Beide Werte sind Mediane. Die Anzahl der Staaten, die überhaupt Aktien mit einer derart hohen Kapitalisierung aufweisen können, beträgt 87.