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  • Nebenwerte, Wachstumsaktien oder Standardtitel?

    (Düsseldorf, 08.05.2009) Als guter Portfolio-Manager sollten Sie sich diese Frage regelmäßig stellen. Um eine sinnvolle Gewichtungsaufteilung zu finden, kommt man laut üblicher Praxis nicht um einen Vergleich der jeweiligen historischen mit den jeweils aktuell gültigen Fundamentalkennzahlen herum. Normalerweise bin ich gegenüber Methoden, die gerade "state of the art" sind, sehr skeptisch. Doch nicht in diesem Fall. Allerdings vertrete ich schon die Auffassung, daß, wie so oft, auch hier viele Wege nach Rom führen. Mit den simpelsten, aber auch effektivsten Methoden der Technischen Analyse kann die Frage, in welchen der drei Bereiche man stark, weniger stark oder gar nicht investiert sein sollte, beantwortet werden.

    Selbstredend gibt es unterschiedliche Auffassungen, ob eine Aktie denn nun zu den Wachstumsaktien, Nebenwerten oder Standardtiteln zuzurechnen ist. Daher bin ich es Ihnen zunächst schuldig, meine hier gültige Definition zu benennen: Hier definiere ich, aus reinem Pragmatismus, die Aktien des S&P 500 als Standardtitel. Aktien des Russel 2000 bilden die Gruppe der Nebenwerte. Der NASDAQ Composite steht für Wachstumswerte. (weiter nach der Grafik...)



    Es gibt einige Vorurteile bzgl. der drei Gruppen. Das populärste und gleichzeitig falscheste lautet: Wachstumsaktien entwickeln sich besser als Standardtitel. Es wird hierfür sogar ein logisch anmutendes Argument aufgeführt, welches besagt, daß die Überperformance der Wachstumsaktien eben aus dem wesentlich höheren Wachstum der Wachstumsunternehmen resultieren muß. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit! Natürlich wachsen Wachstumsunternehmen schneller und stärker als Unternehmen, deren Aktien zu den Standardtiteln zählen. Aber die Wachstumstitel bergen erstens ein ungleich höheres Insolvenzrisiko und werden zweitens meist schon von der Erstemission an mit einer wesentlich höheren fundamentalen Bewertung gepreist, was den offensichtlichen Vorteil des schnelleren Wachstums, zumindest langfristig aus Sicht des breiten Marktes völlig aufzehrt. Vergleicht man die langjährige Kursperformance zwischen Wachstumsaktien und Standardtiteln, stellt man zwar zu vielen Zeitpunkten fest, daß die Kurse der Wachstumsaktien besser laufen als die der Standardtitel. Aber die bei den Standardtiteln auf Sicht von mehreren Jahrzehnten doch wesentlich höheren Dividendenausschüttungen machen dies locker wett. Ähnliche Überlegungen gelten für die Nebenwerte. Einzig die Gruppe der mit einer extrem unterdurchschnittlichen Marktkapitalisierung ausgestatteten Micro-Caps, welche aber nicht Gegenstand dieser Betrachtung sind, kann alle drei anderen Gruppen langfristig ausstechen. Auf lange Sicht ist es also ziemlich egal, ob man Nebenwerte, Wachstumsaktien oder Standardtitel bevorzugt; man erreicht auf lange Sicht das gleiche Rendite-Ziel. Mittelfristig, ich denke hier an ein bis fünf Jahre, kann es durchaus lohnen, die Gewichtung der drei Gruppen zu variieren, wie der folgende Chart verdeutlicht. (weiter nach der Grafik...)



    Dieser Chart zeigt die Ratios Russel/S&P 500 und NASDAQ/S&P 500, sowie deren lineare Regressionsgeraden. Befindet sich beispielsweise die Ratio NASDAQ/S&P 500 sehr deutlich oberhalb der linearen Regressionsgeraden, wie zum Milleniumswechsel der Fall, kann man auf eine deutliche Übertreibungsphase schließen: Etwa im Jahr 2000 waren die Kurse der Wachstumsaktien stark übertrieben hoch. Wer damals einen Blick auf diesen Chart geworfen hätte, hätte sicherlich alle Wachstumsaktien verkauft, was ihm/ihr die größten Kursverluste erspart hätte. Umgekehrt gilt die Überlegung analog. Ebenfalls zur Zeit des Jahrtausedwechsels erkennt man eine recht deutliche Untertreibung bei den Nebenwerten. Ein klares Kaufsignal für Nebenwerte, welche im Anschluß ja dann auch jahrelang am besten performten. Die relativ stark ansteigende lineare Regressionsgerade der NASDAQ/S&P 500 Ratio ist meiner Auffassung übrigens ein Ausdruck des eben skizzierten Dividenden-Effektes: Die geringeren Ausschüttungen der Wachstumsunternehmen schlagen sich in einer langfristig besseren Kursperformance nieder, was den Anstieg ausreichend erklären sollte.