Informationen für erfahrene Investoren
  •   Startseite  
  •   Publikationen  
  •   Aktienbrief  
  •   Kontakt  
  • Deleveraging und Liquiditätsfalle (Krisen-Special 3)

    (Düsseldorf, 28.09.2011) Ab Herbst 2008 sah sich vor allem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gezwungen, die Märkte bzw. Banken mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. So wollte man mehrere Fliegen mit einem Schlag erlegen: Man rettete Finanzinstitute, beruhigte die Börse, hielt das Zinsniveau niedrig, beendete die Deflation und schuf die Grundlage für weiteres Kreditwachstum, welches der sogenannten Realwirtschaft zugute kommen sollte. Zu diesem Zweck nahm die Fed Staatsanleihen und andere notleidende Anleihen in ihre Bilanz, d.h. man kaufte diese mit neuem Basisgeld. Es entstanden billionenschwere Überschußreserven (excess reserves), die Geldbasis (monetary base) stieg dramatisch an. Zwischenzeitlich waren diese Maßnahmen sogar sehr erfolgreich, denn die Zinsen blieben auch am langen Ende niedrig, die Deflation wurde beendet, einige Finanzinstitute gerettet, die Börse beruhigt. Nur das Kreditwachstum wurde nicht so recht angefacht, denn die Banken verwendeten das viele Basisgeld nicht zur Kreditgeldschöpfung, sondern horteten und horten es bei der Zentralbank.

    Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist die Nachfrage nach neuen Krediten nicht mehr so hoch. Die entwickelten Länder, ganz besonders die USA, stecken in einem möglicherweise jahrzehntelang dauernden Deleveraging-Prozeß, in welchem das Schuldenniveau der Privatwirtschaft langsam abgebaut werden könnte oder wenigstens stagnieren sollte. Zum anderen brauchen die Banken ein gewisses Sicherheitspolster an sofort verfügbarer Liquidität. Drittens bilden die bei nahezu Null liegenden kurzfristigen Zinsen einen enormen Anreiz, Liquidität zu halten. In der Wissenschaft spricht man von der Liquiditätsneigung (liquidity prefernce), welche umso größer ist, je niedriger die kurzfristigen Zinsen sind. Die Liquidität ist in der Falle gefangen.

    Solange die Liquidität gefangen bleibt und nicht als Grundlage für die Vergabe neuer Kredite genutzt wird, setzt sich das Deleveraging der Privatwirtschaft fort, die finanziellen Umweltbedingungen bleiben in dieser Hinsicht deflationär. Um die (US-)Wirtschaft zu stimulieren, ist eine Inflationierung aber unbedingt notwendig. Doch keine Bank kann gezwungen werden, Kredite zu vergeben, sowie auch kein Konsument oder Unternehmer gezwungen werden kann, Kredite aufzunehmen. An diesem speziellen Punkt versagt die Geldmengenpolitik, egal wie raffiniert sie ist.

    Dazu kommt in den USA noch ein Interessenkonflikt, der es in sich hat: Ein gewisses Maß an Deleveraging, also Entschuldung, ist gewünscht, denn vor allem einige US-Konsumenten haben in den vergangenen Jahren scheinbar exzessiv "auf Pump" konsumiert, was der in den USA relativ leichte Zugang zu Hypotheken und revolvierenden Krediten erleichtert haben dürfte. Man braucht also inflationäres Kreditwachstum, um die Wirtschaft wieder voran zu bringen, gleichzeitig erhofft man sich teilweise einen deflationären Abbau exzessiven Kreditverhaltens. Es gibt einfachere Situationen.